Indonesien

 

Raumanalytischer

Überblick

 

 

 


 

Koblenz, 11.4.1999
Jan Pies

 

Inhaltsübersicht

 

 


1.       Landschaftskundlicher Überblick

1.1.    Lage und Gesamtübersicht

1.2.    Geologie und Lagerstätten

1.2.1. Großtektonische Übersicht und Geologische Baueinheiten und Lagerstätten

1.3.    Klima

1.3.1. Jahresgang des Niederschlags

1.4.    Oberflächenformen und Böden

1.5.    Vegetation und Fauna

2.       Historische Betrachtung, politische Situation

2.1.    Indonesien – ein historischer Rückblick

2.1.1. Indonesien in vorkolonialer Zeit

2.1.2. Indonesien unter niederländischer Kolonialherrschaft

2.1.3. Das nachkoloniale Indonesien

2.1.4. "Gelenkte Demokratie" unter Sukarno

2.1.5. Die "Neue Ordnung" unter Suharto

2.2.    Das politische System Indonesiens

2.2.1. Aufbau des Regierungs- und Verwaltungssystem

3.       Wirtschaftsgeographische Analyse

3.1.    Bevölkerungsstruktur

3.2.    Agrarstruktur

3.3.    Industriestruktur

3.4.    Verstädterung

3.5.    Wirtschaftliche Besonderheiten

3.5.1. Wichtige Handelspartner

3.5.2. Monatliche Inflationsraten

3.5.3. Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes

3.5.4. Wechselkurs des Rupiah

3.6.    Auslandsstatistiken des Statistischen Bundesamtes

4.       Schlußanalyse


 

1.       Landschaftskundlicher Überblick

1.1.    Lage und Gesamtübersicht
Indonesien ist der größte Archipelstaat der Erde. Das Staatsgebiet von 1 904 569 km² (etwa die achtfache Größe der Bundesrepublik Deutschland) verteilt sich über insgesamt 13 677 Inseln. Mit Sumatra, Kalimantan (Borneo) und Irian Jaya (West - Neuguinea) gehören die nach Grönland größten Inseln der Erde teilweise bzw. vollständig zum Staatsgebiet von Indonesien. Mindestens 3000 Inseln besitzen eine nennenswerte Bevölkerung und rund 350 Inseln sind größer als 100 km².
Indonesiens Inseln erstrecken sich von ca. 94° bis 141° östlicher Länge und von 6° nördlicher bis 11° südlicher Breite, so daß sie bei einer Nord - Süd - Breite von rund 1880 km und einer Längserstreckung von ca. 5100 km beiderseits des Äquators etwa ein Achtel des Erdumfangs umspannen. Indonesien bildet somit eine Übergangsregion zwischen Südostasien und Australien. Die indonesischen Inseln verbinden nämlich den zur asiatischen Festlandsmasse gehörenden, heute vom Flachmeer bedeckten, Sunda - Schelf, über dem Sumatra, Java, Kalimantan und einige kleinere, unbedeutendere Inseln (z.B. Bangka, Bilitung, der Riau - Archipel...) aufragen, mit dem Sahul - Schelf und damit mit dem australischen Kontinentsockel. Insgesamt kann man Indonesien dem Gebiet Südostasien zuordnen, eine Ausnahme bildet jedoch Neuguinea, da diese Insel sowohl ethnisch als auch mit seinen nördlichen Teilen geotektonisch zu Melanesien (und somit nicht Südostasien) gehört.
Mit 203,369 Millionen Einwohnern ist Indonesien der Bevölkerung nach der viertgrößte Staat der Erde. Der Großteil der Bevölkerung lebt jedoch auf der am dichtesten besiedelten Insel Java mit der Hauptstadt Jakarta. Eine ebenfalls hohe Bevölkerungsdichte findet sich auf der Tourismusinsel Bali, die "Außeninseln" Sumatra, Kalimantan(Borneo), Sulawesi(Celebes) oder Irian Jaya(West - Neuguinea) sind dagegen nur sehr dünn besiedelt und sind infrastrukturell kaum entwickelt.


1.2.    Geologie und Lagerstätten
Aus geologischer Sicht ist Indonesien ein recht junger Archipel, das macht sich auch heute noch insofern bemerkbar, als die Erdkruste in diesem Gebiet noch sehr mobil ist und auch häufig Erdbeben und Vulkanausbrüche die Oberfläche heimsuchen.500 bis 1000 Erdbeben werden jährlich auf Indonesien registriert und mindestens 200 von den zahlreichen Vulkankegeln auf den Inseln sind seit deren Besiedlung bereits ausgebrochen. Im indonesischen Großraum konvergieren drei größere Schollen, die Eurasische Scholle mit ihrem Ausläufer, der Sunda - Scholle, die Indisch - Ozeanisch - Australische mit ihrem östlichen Teil, dem Sahul - Schelf und die Pazifische Platte. Die daraus resultierenden Orogene (Zonen der Gebirgs -  und Mineralbildung), die sich zunächst an den mobilen Plattenrändern befanden und mit der Zeit den kontinentalen Platten "angefaltet" wurden, sind nun in West -  und Südindonesien das Sunda - Orogen, das sich über den Bogen Sumatra – Java – Bali – Timor und West - Sulawesi erstreckt, das Sumatra - Orogen, das sich hauptsächlich auf Sumatra und Teilen Ost - Kalimantans befindet, das Malaysia - Orogen als älteste Baueinheit Indonesiens erstreckt sich über die malayische Halbinsel und West - Kalimantan und das Molukken - Orogen, das sich von Ost - Sulawesi über die Inseln Buru, Tanimbar und Timor und über einen untermeerischen Rücken westwärts bis nach Java erstreckt, jedoch nicht nur Faltengebirgszüge hervorbrachte, sondern auch deutlich vulkanische Ablagerungen miteinbezieht. Die Gebirgszüge in all diesen Gebieten gipfeln normalerweise in Höhen von 2000 - 3000 Metern, auf Irian Jaya jedoch auch in bis zu 5300m. Die Gliederung der Inseln bildete sich während des Meeresspiegelanstiegs im Holozän letztendlich heraus.
Der Betrachtung der Erz - , Kohle -  und Erdöl - /Erdgaslagerstätten kommt in Indonesien eine relativ große Bedeutung zu, da die Einflüsse auf die Wirtschaft, insbesondere die Exportwirtschaft und dadurch auch auf den Arbeitsmarkt sehr bedeutend sind. Die Inseln Bangka, Bilitung, Singkep und einige Inseln des Riau - Archipels gelten als die indonesischen Zinninseln und gehören damit zum südostasiatischen Zinngürtel, der von über die malayische Halbinsel und West - Thailand bis nach Zentral - Burma reicht und insgesamt etwa 2500 km Länge hat. Auf West - Kalimantan und auf der Insel Bintan im Riau - Archipel haben sich auf einigen Plateaus wirtschaftlich nutzbare Bauxitlagerstätten gebildet. Auf Sulawesi sind bereits wichtige Nickel -  und Eisenförderstätten erschlossen. Auf Java werden an den Südstränden Eisenvorkommen abgebaut und im Inland Mangan und Gold. Auf Sumatra finden sich neben den oben besprochenen Zinnvorkommen auch einige Kohlelagerstätten, ebenso wie auf Südost - Kalimantan. Auf Irian Jaya findet sich vorwiegend Nickel und Kupfer und auf einigen kleineren Inseln vor Irian Jaya (Gebe, Waigeo) sind bedeutende Nickellagerstätten erschlossen.
Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Rohstoffe – weniger Zink aber durchaus Kupfer gehören zu den wichtigsten Exportgütern Indonesiens – ist aber im Vergleich zu den Erdöl -  und Erdgasvorkommen ziemlich gering. Sedimentbecken mit Erdöl -  und Erdgasfeldern ziehen sich vom Atjeh - Becken (nördlich von Sumatra) über Zentral -  und Süd - Sumatra, Nord - Java und die Java - See bis Süd - Ost - Kalimantan und die Celebes - See (nördlich von Sulawesi, der Name Celebes - See ist jedoch auch in neueren Atlanten geblieben). Ebenso finden sich große Erdöl -  und Erdgasvorkommen unter ganz Irian Jaya und dem restlichen Neu - Guinea. Die Vorkommen werden häufig in den Küstengebieten gefördert.


1.2.1. Großtektonische Übersicht und Geologische Baueinheiten und Lagerstätten
 

 

1.3.    Klima
Das Klima Indonesiens wird übereinstimmend als "Monsunklima" bezeichnet und damit regional in den Rahmen des tropischen, insbesondere asiatischen Monsunklimas gestellt. Der Wintermonsun, der über Indonesien von Dezember bis März herrscht, dreht nördlich des Äquators von einem Nordost -  in einen Nord -  und Nordwestwind, südlich des Äquators schließlich in einen Westwind, weshalb zum Beispiel auf Java der Wintermonsun den Namen Westmonsun trägt. Von Juni bis September zur Zeit des Sommermonsuns herrschen hingegen andere Verhältnisse, während hier nördlich des Äquators ein Südwestwind herrscht, hat der Wind südlich des Äquators eine Ost -  bis Südostrichtung. Damit ist auch für Indonesien das sogenannte Monsun - Kriterium erfüllt, daß die jahreszeitlich wechselnden Hauptwindrichtungen einen Winkel von mindestens 120° bilden, da die Winde fast exakt entgegengesetzt zueinander stehen. Das indonesische Monsunklima unterscheidet sich jedoch bedeutend darin vom allgemeinen tropischen Monsunklima, daß das indonesische Klima ein "immerfeuchtes Tropenklima" ist und es z.B. keine echte Trockenperiode gibt. Diese Veränderung des traditionellen Monsunklimas läßt sich durch die maritime Umgebung Indonesiens (Indischer und Pazifischer Ozean) und den Archipelcharakter des Landes erklären. Weiterhin bietet Indonesiens Landfläche im Bereich der inneren Tropen (zwischen 10° nördlich und südlich des Äquators) eine relativ geringe Breitenerstreckung, was die Höhe der Temperaturen und die täglichen Temperaturschwankungen deutlich reduziert.
Allgemein finden sich in Indonesien eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit und damit verbunden auch an den meisten Orten eine Mindestniederschlagsmenge von 2000mm im Jahr. Eine bedeutende Rolle spielen jedoch auch relativ große lokale Unterschiede, die sich durch die zahlreichen Gebirgszüge und den ständigen Wechsel von Land -  und Wassermassen ergeben. Auch die jährlichen Unterschiede bei den Niederschlagsmengen sind beträchtlich, so wurden bei Tendjo auf Zentral - Java bereits 7069 mm Niederschlag im Jahr gemessen und im Paloe Valley auf Sulawesi nur 547 mm. Auch wenn in Jakarta durch eine Messung über den Zeitraum von 77 Jahren ein Niederschlagsmittel von 1770 mm ermittelt wurde, so läßt sich doch für den Großteil von Indonesien ein Jahres - Niederschlagsmittel von 2000 – 3000 mm veranschlagen, was bedeutet, daß der Naturraum Indonesien auch klimatisch sehr interessant ist, da es zu den regenreichsten Klimaten der Erde gehört. Insbesondere in den Gebirgsstaulagen können durchaus höhere Niederschlagssummen auftreten, während Zentral -  und Ost - Java, sowie die östlich anschließenden Sunda - Inseln eher als das Trockengebiet Indonesiens gelten können, dort läßt sich ein Niederschlagsmittel von 1000 – 2000 mm im Jahr festlegen. Ebenfalls sehr hoch ist die Anzahl der Regentage im Jahr, die von 91 (Denpasar) bis 191 (Padang) reicht (für den größten Teil Indonesiens lassen sich etwa 140 – 150 veranschlagen) und damit ebenfalls sehr hoch ist.
Wie bereits oben erwähnt verteilt sich in Indonesien der Niederschlag über das gesamte Jahr und es lassen sich kaum Trockenperioden feststellen. Dies beruht besonders darauf, daß in Indonesien sowohl Winter -  als auch Sommermonsun als Regenbringer wirksam werden. Es läßt sich jedoch auch sagen, daß der Wintermonsun generell für ganz Indonesien der regenreichere ist und in den oben genannten trockeneren Gebieten Indonesiens durchaus im Sommer auch regelrechte Trockenperioden auftreten können.
Betrachtet man die Verteilung der Niederschläge über den Tag hinweg, so läßt sich sagen, daß ein deutliches Niederschlagsmaximum am Nachmittag besteht und es früh - morgens bis vormittags kaum regnet. Dies bedeutet, daß der Niederschlag der Entstehung nach, wie in den meisten tropischen Klimaten, hauptsächlich Zenitalregen ist, worauf auch durch die hohe Gewitterhäufigkeit hingewiesen wird, die in Bogor mit 322 Tagen im Jahr möglicherweise die höchste der Erde ist. Ausnahmen von dieser Tagesverteilung entstehen lediglich in den Wintermonsunmonaten Dezember, Januar und Februar, wenn Niederschläge über den ganzen Tag verteilt auftreten können.
Aufgrund seiner geographischen Lage unterliegt Indonesien selbstverständlich einem typischen Tropenklimat, was z.B. durch die intensive Sonneneinstrahlung und damit verbundene generell hohe Temperatur (Jahresmittel von 26° - 27° C) und die geringen Schwankungen der Temperatur über den Zeitraum eines Jahres betrachtet hinweg deutlich wird. Generell gilt auch in Indonesien die für die Tropen übliche hohe Temperaturschwankung über den Tag hinweg, diese tageszeitenabhängige Temperaturschwankung liegt allerdings in Indonesien bei, für die Tropen geringen, 5 - 10° C, was durch die hohe Maritimität des Archipels bewirkt wird. Wichtig für die Temperaturen sind natürlich auch die Höhenlagen der Orte, die ja aufgrund des gebirgigen Charakters vieler Inseln auch stark differenzieren. Sehr interessant ist nämlich das Auftreten eines für die Tropen unerwarteten Phänomens sogenannter Strahlungsfröste, in gebirgigen Lagen sammelt sich nämlich in Geländemulden die nächtlich abgestrahlte Kaltluft und somit kommt es vereinzelt zu Nachtfrösten.


1.3.1. Jahresgang des Niederschlags

1.4.    Oberflächenformen und Böden
Indonesien zählt etwa 300 Vulkane, von denen 76 noch zwischen 1600 und jetzt tätig waren. Der Ausbruch des Krakatau in der Sunda - Straße zwischen Java und Sumatra 1883 war eine der größten Vulkankatastrophen der Neuzeit. 36 000 Menschen kamen durch die Flutwellen oder Lava -  oder Ascheauswürfe um. In den Gebirgen wurden vulkanische Einbruchbecken mit Seen gefüllt, besonders auf Sumatra (z.B. der Toba - See, 1146 km² - zum Vergleich: Laacher - See: 3,3 km² Wasserfläche). Trotz der Gefahren und Zerstörungen sammeln sich aber um die Vulkane immer wieder Bevölkerungsballungen, da auf den Aschen sehr fruchtbare Böden entstanden und durch erneute Aschenregen auch ihre Fruchtbarkeit behielten, während anderswo die tropischen Niederschlags -  und Verwitterungsbedingungen die Nährstoffe aus den Böden herauswuschen. Man trifft in Indonesien immer wieder auf die großangelegten bewässerten Reisterrassen, die eine optimale Bebaubarkeit der Hänge um die Vulkane herum gewährleisten sollen. Diese Terrassen trifft man besonders auf Java, Bali und Lombok an, wo sich auch die größten Bevölkerungsdichten ergeben haben und wo man auf ideale Anbaubedingungen (insbesondere in den Becken Zentral - Javas) trifft, wo auch bis zu 3 Reisernten im Jahr möglich sind. In den höheren Lagen ist diese Art des Anbaus allerdings aufgrund des steilen Ansteiges der Hänge nicht mehr möglich. In diesen höheren Lagen sind die Vulkanhänge besonders von Bergwäldern bewachsen, erst in Krater -  und Gipfelregionen trifft man auf blanke Aschen. Weiterhin prägt der Vulkanismus das indonesische Landschaftsbild durch zahlreiche Plateaus und Hochländer.
Insgesamt bestehen etwa 70% der Oberfläche Indonesiens – und 99% der von Java – aus neogenen, d.h. relativ jungen Sedimenten. Neben den vulkanischen Laven, Tuffen, Bimssteinen und Aschen gehören dazu auch Sandsteine, Kalke und Mergel. Die jüngsten, völlig ebenen Landflächen sind dagegen die Fluß -  und Küstenebenen. Sie bestehen aus tonigen Gleyböden oder sind große Torfmoore.  Diese Sumpf -  und Moorgebiete befinden sich auch häufig unter dichtem Regenwald und ihre agrarische Nutzbarkeit hängt hauptsächlich davon ab, ob sie – wie es meist vorkommt - im ständigen Überschwemmungsbereich liegen und damit für den Getreideanbau untauglich sind.
Interessante Relief -  und Bodenformen in Küstennähe sind ebenfalls die Steilküsten und die zahlreichen Korallenriffe und  - inseln im tropischen Flachmeer, wie z.B. die 1000 Inseln vor der Küste Jakartas, die als Touristenattraktion vermarktet werden und sonst nur von Fischern bewohnt werden.
Ziemlich unfruchtbar sind die Böden auf Basaltplateaus oder Kalkgestein, wie z.B. auf West - Kalimantan oder Sulawesi. Hier finden sich hauptsächlich mittelmäßig bis schlecht bebaubare Latosole und noch ungünstigere Podsole, die sich besonders auf den Graniten, Sandsteinen, Mergeln und Schiefertönen von Sumatra, Kalimantan und Irian Jaya wiederfinden. Von Natur aus sind diese Böden großflächig mit tropischem Regenwald überwuchert, der auf seinem eigenem organischen Untergrund lebt, doch sobald dieser Regenwald etwa durch Brandrodung zerstört wird, verarmen die Böden sehr schnell.


1.5.    Vegetation und Fauna
Indonesien ist auch heute noch zu fast 90% bewaldet, zum vorwiegenden Teil findet man den immergrünen tropischen Regenwald wieder. Wenn auch diese Vegetationsform die üppigsten Pflanzenformationen der Erde bildet so finden sich tatsächlich aber auf einem Hektar Waldfläche relativ wenige Baumstämme (etwa 24,2m² pro Hektar werden von Baumstämmen eingenommen), was bedeutet, daß man auch den forstwirtschaftlichen Nutzen des Regenwaldes nicht überschätzen sollte (es finden sich etwa 10 - 15 wertvolle Baumstämme pro Hektar). Die indonesische Vegetation ist eine der üppigsten und artenreichsten der Erde überhaupt (allein ca. 25 000 verschieden Blütenpflanzenarten). Etwa 40% aller Pflanzen findet man nur in Indonesien wieder (es sind sogenannte Endemiten). Der tropische Regenwald ist jedoch kein monotones Gebilde, Variationsformen sind z.B. die Wälder in den Sumpf -  und Moorgebieten oder die Mangrovengebiete entlang der Küsten.
In der Verteilung der indonesischen Fauna spiegeln sich auch die geotektonischen Zusammenhänge des Gebietes wieder. Es läßt sich eine westliche Zone mit Sumatra, Kalimantan, Java und Bali feststellen, wo die asiatische Tierarten vorherrschen, sowie eine östlich Zone mit den Molukken und Irian Jaya, wo sich hauptsächlich australische Tierarten wiederfinden und eine Übergangszone mit Sulawesi und den kleineren Sunda - Inseln. Tiger, Nashorn oder Elefant findet man z.B. lediglich in jener westlichen Zone, während man in der östlichen Zone eher australische Schnabel -  und Beuteltiere, Fledermausarten oder auch Paradiesvögel wiederfindet. In der Übergangszone finden sich Tierarten der beiden anderen Zonen sowie einige endemitische Arten, die teilweise recht seltsam anmuten, wie z.B. Hirscheber, Waldkuh, Zwergbüffel oder Hundsaffe, sowie diverse Riesenwaranarten.


2.       Historische Betrachtung, politische Situation

2.1.    Indonesien – ein historischer Rückblick

2.1.1. Indonesien in vorkolonialer Zeit
Die Anfänge der Besiedlung Indonesiens finden sich in den Einwanderungen der Malaien aus dem chinesischen Raum, einem Volk mongolider Abstammung, von 3000 – 1000 v. Chr., wobei Historiker aber bis heute darüber streiten, ob diese Einwanderungen in Form von Wellen stattfanden, durch die die damals vorzüglich in den Küstengebieten ansässigen Völker dann von neuen Einwanderern ins Inland verdrängt wurden, ober ob hier eher ein kontinuierlicher Prozeß stattfand. Damals ließ sich unterscheiden zwischen drei verschiedenen Siedlungsformen. Einmal waren da die im Inland lebenden Völker, die in einer Stammeshierarchie lebten und immer hinter ihren Brandrodungen her zogen und dort Ackerbau betrieben. Zweitens die in Dörfern angelegten Siedlungen in den Flußtälern und in küstennahen Regionen, die bewässerten Reisanbau betrieben und drittens das seefahrende und handeltreibende Volk direkt an den Küsten der indonesischen Inseln.
Die nächste Epoche der indonesischen Geschichte wird als die "Indisierung" des Archipels bezeichnet. Über die, immer als Tor zur Außenwelt dienenden, Hafenstädte Indonesiens wurden zunehmend indische Einflüsse "importiert". Man geht nicht davon aus, daß eine große Einwanderungswelle aus Indien stattgefunden hat, da ansonsten auch Sprache oder Kastensystem von Indien her übernommen worden wären. Beispiele für die Indisierung findet man aber in den Schattenspielen, die zunehmend nun auch indische Legenden und Sagen übernahmen und darstellten. Viel wichtiger aber war nun die Verbreitung der hinduistischen Religion im indonesischen Raum. Dieser Religion kam eine besondere Bedeutung zu, da durch sie eine religiöse Legitimation für die aristokratischen Herrschaftsformen in den Siedlungen geschaffen werden konnte, auch wenn sie mit der von den Hochkulturen Javas entwickelten Form des Buddhismus konkurrierte. In der Folgezeit bildeten sich auch einige Fürstentümer und Königreiche in den Küstensiedlungen, die besonders darauf ausgerichtet waren den Handel zu kontrollieren und so ihre Macht zu halten. Das bedeutendste dieser Reiche war wohl das Großreich Sriwijaya, das vom 7. bis 13. Jahrhundert n. Chr. seine Blütezeit erlebte. Der Seeverkehr von Indien nach China nahm in dieser Zeit auch eine sehr bedeutende Rolle für Indonesien ein, da die Schiffe in den Häfen von Indonesien auf die Monsunwinde warteten. Die Herrscher des Sriwijaya - Reiches bekannten sich allerdings zum Buddhismus und in der Folgezeit gab es in Indonesien auf der einen Seite zwischen den beiden Religionen (Hinduismus und Buddhismus) zahlreiche Konflikte, auf der anderen Seite ergänzten sich aber auch Elemente beider Religionen zur Legitimation der Herrschaftsansprüche mancher Königsfamilien.
Unter den Trägern des für Indonesien so wichtigen Handelsverkehrs zwischen Indien und China waren aber von Anfang an auch persische und arabische Handelsleute, die für die Weiterleitung der fernöstlichen Waren nach Persien und später auch Europa sorgten. Erst aber Ende des 13. Jahrhunderts setzte die Islamisierung Indonesiens ein. Der Islam fand hier durch die persischen und arabischen Handelsleute eine rasche Verbreitung in den Hafenstädten, wurde mehr und mehr akzeptiert und auch zugunsten der Konfliktvermeidung mit dem Buddhismus und Hinduismus entradikalisiert und bald waren ganze Städte zum Islam bekehrt. Dies war auch die Zeit (15. Jahrhundert), als Malakka sich als Handelshauptstadt herausbildete und gewaltigen Einfluß auf das Handelsgeschehen in und durch Indonesien ausüben konnte. Aber die fortschreitende Islamisierung war auch besonders dadurch bedingt, daß, da sich die Handelsstädte zunehmend dem Islam zuwendeten, sich auch deutliche wirtschaftliche Vorteile durch den Übergang zum Islam ergaben. Später wurden dann sogar von manchen Städten heilige Kriege zur Verbreitung des Islams in Indonesiens ausgerufen. Heutzutage bekennen sich etwa 90% der indonesischen Bevölkerung zum Islam.


2.1.2. Indonesien unter niederländischer Kolonialherrschaft
Ein weiterer Einfluß aus dem Westen, nämlich die vorstoßenden europäischen Forscher und Handelsleute sollten bald eine mindestens genauso bedeutende Rolle in dem Archipel spielen. Zuerst setzten sich Portugiesen in Indonesien fest und nahmen 1511 die Handelsmetropole Malakka gewaltsam ein. Aber auch niederländische und englische Kaufleute zeigten bald Interesse an den fruchtbaren Böden und reichen Rohstoffen der Insel. 1602 schlossen sich mehrere niederländische Handelsfirmen zur VOC, der Vereinigten Ostindischen Handelscompagnie, zusammen, diese Vereinigung wurde von der niederländischen Krone mit dem Recht Landbesitz zu erwerben ausgestattet. Sie setzten sich erfolgreich gegen die Engländer durch und entwickelten sich in der Folgezeit zu den Kolonialherren Indonesiens.
Die niederländischen Eindringlinge ließen die indonesischen Herrschaftsformen zunächst unberührt, manipulierten aber die Thronfolgen in den Königreichen – wer am meisten Schmiergelder zahlte, wurde Thronfolger - und setzten einfach hohe Pflichtabgaben an Tabak, Zucker, Kaffee und anderen einträglichen Agrarprodukten für alle Siedlungen fest. Die Einwohner von Java wollten sich gegen diese Ausbeutung ihrer Heimatwelt zur Wehr setzen, wurden aber von der überlegenen Waffentechnologie der Niederländer abgewehrt.
Die VOC konnte beträchtliche Reichtümer während ihrer Kolonialherrschaft anhäufen, war aber immer von Korruption betroffen und beutete die indonesischen Siedlungen in profitsüchtiger Art und Weise über deren Kapazitäten hinaus aus. Das Ende der VOC kam schlußendlich mit der französischen Revolution, als Folge wurde in den Niederlanden eine Republik ausgerufen und im Endeffekt erlag die VOC ihrer enormen Verschuldung die durch die englische Seeblockade gegen Napoleon und seine Verbündeten aufrecht erhalten wurde. Im Laufe d es 19. Jahrhunderts gab es angespornt von den Idealen der französischen Revolution mehrere Versuche von niederländische und englischer Seite, die Verhältnisse für die unterdrückten Bewohner Indonesiens zu verbessern, diese Versuche scheiterten jedoch daran, daß man versuchte mit europäischen Maßstäben an die andersartige indonesische Gesellschaft heranzugehen versuchte, z.B. war die Aufhebung der alten indonesischen Herrschaftsstrukturen, die meist aristokratische Züge aufwies, eine Verletzung des indonesischen Herrschaftsverständnis, aber später endeten diese Bestrebungen auch in rein wirtschaftlichen Bestrebungen (z.B. Annektierung des gesamten Staatsgebietes und Verkauf an Privatleute) und Korruption. Zu dieser Zeit versuchten auch wieder englische und niederländische Kaufleute, den größtmöglichen Profit aus den sehr beliebten indonesischen Gewürzen, wie z.B. Pfeffer, sowie dem Kaffee, Tabak und Zucker, der dort angebaut wurde. Letztendlich behielten die Niederländer, wenn auch nicht mittels der VOC, eine Art Kolonialherrschaft in Indonesien. Diese Herrschaft hielt bis 1940, wobei jedoch Unabhängigkeitsbewegungen Anfang des 20. Jahrhunderts zumindest dafür sorgten, daß nun eine Politik von Seiten der Niederlande geführt wurde, die auch darauf aus war, den Zustand der Bevölkerung des Archipels zu verbessern, diese "milde" Gesinnung der Kolonialherren ließ sich auch durch den enormen wirtschaftlichen Erfolg indonesischer Produkte auf dem europäischen Markt, der besonders Anfang des 20. Jahrhunderts boomte, erklären. Der spätere Gründungspräsident Sukarno war einer jener Unabhängigkeitskämpfer und wurde 1933 zusammen mit Hatta ins Exil verbannt.


2.1.3. Das nachkoloniale Indonesien
Mit Beginn des 2. Weltkrieges kam dann das Ende der langen niederländischen Vorherrschaft in dem Archipel, da die Niederlande von Deutschland besetzt wurden, doch kurz darauf wurde Indonesien von Japanern besetzt und ab 1942 fingen diese damit an, das Land zugunsten der eigenen Kriegsindustrie auszubeuten, wichtig waren hier natürlich besonders die reichen Erdölvorkommen. 1944 mußten die Japaner wegen der nahenden Kriegsniederlage jedoch den Indonesiern ihre Unabhängigkeit versprechen. Mehr als ein inoffizielles Versprechen gab es hierzu jedoch von Japan nicht und somit verkündeten Sukarno und Hatta einfach selbst die Unabhängigkeit Indonesiens wenige Tage nach der Kapitulation Japans. Hauptstadt der neuen Republik war Jakarta (früher Batavia) und es wurde ein parlamentarisches Regierungssystem unter Präsident Sukarno eingerichtet.
Sjahir, ein guter Freund Hattas, wurde bald zu einem der führenden Politiker des Staates und rief am 3.11.1945 gegen den Willen Sukarnos zur Parteienbildung auf, dem auch viele Parteien folgten.
Die inzwischen zurückkehrenden Niederländer kannten die Republik Indonesien jedoch zunächst nicht als Staat an und wollten ihre alten Herrschaftsansprüche nun wieder geltend machen. Die indonesische Armee setzte sich dagegen unter der Führung des Altkommunisten Tan Malakka zur Wehr und es folgten Guerilla - Krieg und blutige Racheaktionen der Niederländer. Die UNO und die USA nahmen ebenfalls das Bestreben der Niederlande nicht hin, so daß die Niederlande letztendlich dazu bewegt wurden, die Republik Indonesien zumindest für Sumatra und Java anzuerkennen, man versuchte aber immer noch gegen einen einheitlichen Staat Indonesien vorzugehen, indem man nun kleine Einzelstaaten auf den anderen Inseln in Indonesien kreierte. Unter amerikanischem Druck kehrte man aber bald wieder an den Verhandlungstisch zurück und am 27.12.1949 erkannten die Niederlande die "Vereinigten Staaten von Indonesien" an. Aber diese "Vereinigten Staaten von Indonesien" entsprachen nicht dem Ziel der indonesischen Nationalisten, so daß im August 1950 wieder ein Gesamtstaat Indonesien unter dem Staatsmotto "Einheit in der Vielfalt" ausgerufen wurde. Kurzfristige Unabhängigkeitsbewegungen auf den Molukken wurden schnell niedergeworfen, 1967 wurde Irian Jaya unter Hilfe der UNO von den Niederlanden dem Staat Indonesien angegliedert und Mitte der 70er Jahre wurde Ost - Timor unter Suharto gewaltsam annektiert.


2.1.4. "Gelenkte Demokratie" unter Sukarno
Aber nach 1950 entwickelten sich zunächst sehr viele verschiedene Kräfte, auf der einen Seite bildeten sich islamische Parteien, auf der anderen Seite nationalistische und sozialistische Parteien, sowie Parteien, die andere Religionen vertraten, die mit allen Mitteln einen islamischen Staat verhindern wollten. 1955 gab es zum ersten Mal Wahlen in Indonesien, nachdem zunächst einige Vorbereitungen getroffen werden mußten, da damals 80% der Einwohner Analphabeten waren – diese Wahlen brachten jedoch lediglich ein Gleichgewicht der Kräfte zustande Dies, die zunehmende Regierungsuntreue des Militärs und eine kommunistische Revolution 1958 führten letztendlich zum Zusammenbruch der Parlamentsregierung. Sukarno war jedoch immer noch der Held der Massen und hatte auch durchaus gute Beziehungen zum Militär, so daß er mit der Wiederherstellung der Ordnung im Staate beauftragt wurde und 1959 auf dem Dekretwege gegen den Willen der islamischen Parteien erneut als Präsident eingesetzt wurde und nun weitreichende Vollmachten in allen Regierungsbereichen zugesprochen kam. Sukarno versuchte in der Folgezeit in einer sogenannten "gelenkten Demokratie" die 3 Hauptströmungen in Indonesien, nämlich Nationalismus, Kommunismus und Islam unter Kontrolle unter einen Hut zu bringen, aber inzwischen lag die Wirtschaft des Landes am Boden und Sukarno führte durch seine eigene Mißwirtschaft und teure Militärausgaben nur zu einer Verschlechterung der Lage.
Während dieser Zeit entwickelten sich Kommunisten und das Militär zu den bedeutendsten politischen Kräften im Lande und so versuchte also die kommunistische Partei PKI ab 1964, das Militär zu unterwandern und auf seine Seite zu schlagen, was 1965, als man gewaltsam die Militärführung übernahm, in einem Putschversuch der Kommunisten gipfelte, es blieb jedoch bei einem Versuch, denn es folgte kein Massenaufstand des Volkes sondern vielmehr allgemeine Unruhe.
Außenpolitisch schlug Sukarno einen antiwestlichen Kurs mit Annäherung an die Volksrepublik China und die UdSSR ein, der allerdings Indonesien von sämtlicher wirksamer (westlicher) Entwicklungshilfe abschnitt. Indonesien setzte sich an die Spitze der Bewegung blockfreier Länder, die eine antiimperialistische Politik zum Ziel hatte. Schließlich sollte eine "Gegen - UNO" gegründet werden, und Indonesien trat aus der westlich dominierten UNO aus.
Im regionalen Umfeld machte die indonesische Führung Vormachtsansprüche geltend. 1962/63 annektierte Indonesien in Auseinandersetzungen mit der ehemaligen niederländischen Kolonialmacht die ethnisch nicht zum Staat passende westliche Teilprovinz von Neuguinea Irian Jaya. 1963 - 1965 folgte die sogenannte, letztlich erfolglose Konfrontationspolitik gegen die von den Briten unterstützte Gründung Malaysias. 1965 war Indonesien politisch und wirtschaftlich weitgehend isoliert, da die Beziehungen zur UdSSR aufgrund der weiteren Annäherung an China abgekühlt waren.
Im Innern schien dieses autoritäre System der "gelenkten Demokratie" zur Regierung des Landes wesentlich besser geeignet zu sein, als das frühere parlamentarische System. Der "Landesvater" konnte in geschickt inszenierten Großveranstaltungen die Massen nach wie vor fesseln wie kein anderer.


2.1.5. Die "Neue Ordnung" unter Suharto
In dieser Unruhe hatte nun der Mann, der die Ära Sukarno ablösen sollte, der bis dahin relativ unbekannte Suharto den Anfang seiner politischen Karriere, als er 2 Bataillone in Jakarta überredete ihm zu folgen und mit ihm die von den kommunistischen Rebellen besetzten öffentlichen Gebäuden unter seine Gewalt zu bringen. In den folgenden Jahren vollzog sich der Übergang von der Alten Ordnung unter Sukarno zu der Neuen Ordnung unter Suharto. Sukarno hatte bisher immer versucht, das Land nach dem NASAKOM - Prinzip, das sich aus den Anfangsbuchstaben der 3 Wörter nas (Nationalismus), agama (Religion) und kom (Kommunismus) zusammensetzt und darauf beruhte, diese 3 politischen Kräfte zu vereinigen und ein Gleichgewicht zwischen diesen herzustellen, wobei diese Ziele immer mit anspornenden Reden des ehemaligen Unabhängigkeitskämpfers verdeutlicht wurden. Suharto dagegen ging einen sogenannten "konstitutionellen" Weg, einen Weg der Stabilisierung mit einiger Weitsicht, der auch immer darauf ausgerichtet war seine eigene Macht zu entwickeln.
Suharto wurde von Sukarno selbst dazu berufen, wieder Ordnung in die politischen Gefüge zu bringen, er ließ am 18. März insgesamt 15 Minister festnehmen und durch seine Beauftragten ersetzen. In der Folgezeit berief er mit Unterstützung des Militärs einen Volkskongreß ein, der ihm daraufhin seine bedeutenden Vollmachten zusprach. Am 21. Juni 1970 verstarb der Gründungspräsident Sukarno im Alter von 69 Jahren, er erhielt ein von Suharto inszeniertes offizielles Staatsbegräbnis.
Suharto verschaffte dem arg gebeutelten Land wieder internationales Ansehen. Als kompromißloser Kommunistengegner hatte er bald die Vereinigten Staaten auf seiner Seite, die ihn dabei unterstützten, die unter Sukarno vernachlässigte Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Indonesien trat wieder der UNO bei und stärkte somit seine Rolle in der internationalen Politik zur Zeit des kalten Krieges.
Die Politik der "Neuen Ordnung" wurde von einem starken Präsidenten bestimmt, der seine Macht vor allem auf der Unterstützung des Militärs aufbaut.
Die politische Ära Suharto hielt bis in Mai 1998, als Präsident Suharto aufgrund von Protesten der Bevölkerung zurücktreten mußte und durch seinen selbsternannten Nachfolger Habibie abgelöst wurde. Während dieser Zeit verstand es Suharto immer wieder, mit relativ wenigen gewaltsamen Aktionen die Durchsetzung seiner eigenen Macht, sowie das politische Gleichgewicht unter Kontrolle zu halten.


2.2.    Das politische System Indonesiens
In der Verfassung von 1945 wird Indonesien als eine Präsidentialrepublik mit dem Präsident als Staatsoberhaupt und Regierungschef definiert, der umfassende Machtbefugnisse hat. Er wirkt bei der Gesetzgebung mit, er ernennt die Minister, die Vertreter der Streitkräfte sowie die Vertreter der funktionalen Gruppen. Außerdem hat er den Oberbefehl über die 280.000 Mann starke Armee und die ca. 175.000 paramilitärischen Kräfte und die Polizei. Trotzdem ist Indonesien kein "Militärstaat", da das Verhältnis zur Gesamtbevölkerung relativ klein ist.
Ein Vizepräsident, zur Zeit General Tri Sutrismo, und der Oberste Beratende Rat (Dewan Pertimbangan Agung DPA) unterstützen den Präsidenten. Dieser Rat besteht aus 45 vom Präsidenten ernannten älteren verdienten Beamten und ehemaligen politischen und wirtschaftlichen Funktionären.
Die Legislative bildet das Parlament oder Repräsentantenhaus (Dewan Perwakilan Raykat, DPR), das aus 425 in nationalen Wahlen gewählten Abgeordneten der Parteien und 75 vom Präsidenten ernannten Militärs besteht. Dies ist dadurch zu erklären, daß das Militär sich nicht an den Wahlen beteiligen darf und trotzdem in der sogenannten "Militärfraktion" im Parlament vertreten sein soll.
Das Parlament übt vor allem Gesetzgebungsfunktion aus, hat aber kaum Kontrollfunktionen, da der Präsident dem DPR nicht verantwortlich ist. Auch die Minister, die vom Präsident ernannt werden, sind nur ihm selbst verantwortlich.
Eine Absetzung des Präsidenten wäre nur theoretisch über den Volkskonsultativrat möglich.
Dieser Volkskonsultativrat oder Beratender Volkskongress (Majelis Permushawaratan Raykat, MPR), den man etwa mit der deutschen Bundesversammlung vergleichen kann, setzt sich aus den 500 DPR - Abgeordneten und weiteren 500 Vertretern der Provinzparlamente und berufsständischen Gruppen zusammen, die allerdings weitgehend unter Einfluß der Regierung ernannt werden.
Entwicklungspolitisch hat es unter der Regierung Suharto immer sogenannte Fünfjahrespläne gegeben, die die entwicklungspolitischen Ziele des Landes festlegen und auch erreichen sollten.
Die Aufgabe dieses Volkskonsultativrates besteht in der Wahl des Präsidenten und in der Festlegung der allgemeinen Richtlinien der Politik Indonesiens. Gewöhnlich tritt der MPR nur alle 5 Jahre nach den Wahlen zusammen, um den Präsidenten zu wählen. Man kann also sagen, daß der Präsident auf 575 der 1000 Abgeordneten, die ihn wählen direkten Einfluß hat.
Die Sammelbewegung der Regierung, die mit GOLKAR, einer Abkürzung von "Golongan Karya", was soviel heißt, wie Sekretariat der funktionalen Gruppen, bezeichnet wird, war ursprünglich keine Partei, sondern ein "Sammelbecken" sogenannter Funktionsgruppen. Dies sind also Gewerkschaften, Berufsverbände, Standesgruppen und Militärs. GOLKAR hat sich allerdings bis heute zu einer normalen politischen Partei entwickelt und von den 425 wählbaren Abgeordneten des Repräsentantenhauses gehören ihr 325 an. Daneben gibt es noch die PPI (Partai Persatuan Pembangunan = Vereinigte Entwicklungspartei), die von islamischen Kräften unterstützt wird und die PDI (Partai Demokrasi Indonesia), die Indonesische Demokratische Partei, die aus der früheren Nationalistischen Partei hervorgegangen ist. Diese beiden Parteien hatten bis heute weder den Einfluß noch den Stimmenanteil, um irgendwelche Macht ausüben zu können.
Die Streitkräfte der Republik Indonesien haben entscheidenden politischen Einfluß und nehmen auch zahlreiche zivile Aufgaben wahr, wie z.B. Hilfe bei der Entwicklung ländlicher Regionen. Noch heute gilt für das Militär die 2 - Funktionen - Theorie, nämlich daß es sowohl militärische als auch sozio - politische Funktionen ausübt. Die Ausrüstung und Bewaffnung der erst nach dem Unabhängigkeit entstandenen Streitkräfte entspricht modernsten Anforderungen.
Aufgrund der Übergangssituation, in der sich Indonesien seit dem Frühjahr 1998 befindet, ist mit einer Veränderung des politischen Systems zu rechnen. Insbesondere eine Stärkung des Repräsentantenhauses sowie des Beratenden Volkskongresses gegenüber dem Präsidenten sind zu erwarten. Darüber hinaus ist die Gestellung von 75 Angehörigen der Streitkräfte in das Repräsentantenhaus umstritten.
Nach dem Rücktritt Suhartos und der Amtsübernahme durch seinen Nachfolger Jusuf B. Habibie wird es voraussichtlich im Mai 1999 zu vorgezogenen Neuwahlen kommen.


2.2.1. Aufbau des Regierungs- und Verwaltungssystem


3.       Wirtschaftsgeographische Analyse

3.1.    Bevölkerungsstruktur
Indonesien hatte nach [2] 1998 eine Bevölkerung von 203,369 Millionen Menschen. Indonesien ist der Bevölkerungszahl nach das viertgrößte Land der Erde. Es ist zugleich das bei weitem größte islamische Land. Die Bevölkerung wächst stark bei einer jährlichen Zuwachsrate von 1,6 %. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 108 Einwohner / km², jedoch gibt es beträchtliche regionale Unterschiede. 60% der Bevölkerung Indonesiens leben auf der Insel Java auf 7% der Gesamtfläche. Dort beträgt die Bevölkerungsdichte 925 Einwohner / km², auf der Inseln Kalimantan nur 19 Einwohner / km² und auf Irian Jaya 5 Einwohner / km². Das Bevölkerungsproblem von Indonesiens besteht nicht nur in der hohen Zuwachsrate, sondern in der überproportionalen Konzentration der Bevölkerung auf Java, Bali und Madura und der daraus resultierenden Übervölkerung dieser Inseln.
Die Entwicklung der Bevölkerung Indonesiens wurde von Anfang an stark von der Bevölkerungsentwicklung auf Java bestimmt. Einigermaßen zuverlässige Bevölkerungszahlen liegen allerdings für Java erst seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und für das übrige Indonesien erst seit 1920 vor. Die für Java für 1815 gegebene Zahl von 4,6 Millionen ist zu niedrig, denn ihr Vergleich mit späteren genaueren Zahlen wie 19,8 Millionen für 1880 würde eine Zuwachsrate von einer Höhe ergeben, die unglaubhaft ist, selbst wenn man bereit wäre, einen gewissen Rückgang der Sterblichkeit durch Besserung der wirtschaftlichen Lage, durch die Einführung der Pockenschutzimpfung und sonstige Verbesserung der medizinischen Versorgung und der hygienischen Verhältnisse, sowie durch die Auswirkungen der humaneren Kolonialpolitik der Niederländischen Kolonialherren. Bis 1900 war die Bevölkerung Javas auf 28,7 Millionen Menschen angewachsen. angewachsen. Wegen Mißernten und Choleraepidemien zu Anfang des 20.Jahrhunderts und der Grippeepidemie 1918 blieb die Zuwachsrate bis 1920 etwas geringer als vorher. Damals lebten auf Java 35,9 Millionen Menschen. Erstmals läßt sich auch die Bevölkerung für das übrige Indonesien (bzw. Außeninseln) mit 16,4 Millionen und damit für das gesamte damalige Niederländisch Ostindien mit 52,3 Millionen angeben. Die japanische Besetzung während des 2.Weltkrieges und der Freiheitskampf in den darauffolgenden Jahr bedingte eine Verschlechterung der Nahrungsmittelversorgung und führte häufig zur Trennung von Familien. Infolgedessen sank die Zuwachsrate deutlich. Nach den Unabhängigkeitskriegen normalisierte sich die sozialökonomische Situation und es kam zur Bevölkerungsexpansion. Seitdem beträgt die jährliche Bevölkerungszunahme über 2 %.
In den letzten Jahren des 2. Weltkrieges und in den darauffolgenden Unabhängigkeitskriegen waren die Geburtenjahrgänge auffällig schwach besetzt. Diese Erscheinung hatte Schwankungen zunächst in der Zahl der Kinder im Schulalter und dann in der Zahl der in das Erwerbsleben drängenden Jugendlichen zur Folge und schließlich in der Zahl der jungen Ehen. Letzteres hat wohl die geringere Zuwachsrate der Bevölkerung 1961 bis 1971 eher bewirkt als ein allgemeiner Rückgang der ehelichen Fruchtbarkeit. Außer dieser vorübergehenden Unebenheiten zeigt der Altersaufbau der indonesischen Bevölkerung das für eine seit längerer Zeit stark wachsende Bevölkerung typische Bild einer Pyramide mit breitem Unterbau. Auffällig sind lediglich noch die Lücken in der Geburtenrate von 1983 bis 1992, diese lassen sich wohl auf die Familienplanungsinitiativen der Regierung zurückführen. 44 % der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt. Ihr Unterhalt und ihre schulische und berufliche Ausbildung bilden eine schwere Last für die erwerbstätige Bevölkerung, die nur dadurch erleichtert wird, daß es relativ wenige alte Leute gibt. Auf 100 Personen im Alter von 15 bis 65 Jahren kommen in Indonesien 87 Kinder und Alte, in Deutschland sind es 57.
Die höhere Lebenserwartung der Frauen dürfte der Grund dafür sein, daß im Ganzen gesehen auf 100 Männer 103 Frauen kommen. Durch Wanderungsbewegungen sind die Geschlechtsproportionen regional verzerrt. In Zuwanderungsgebieten gibt es mehr Männer als Frauen, in Abwanderungsgebieten ist es umgekehrt.
In Anbetracht der großen Unterschiede in der Bevölkerungsdichte auf Java und den Außeninseln ist bereits seit dem vorigen Jahrhundert die Auffassung vertreten worden, daß das Bevölkerungsproblem Indonesiens durch eine Umverteilung der Bevölkerung gelöst werden könnte. Dabei wurde übersehen, daß die Dichte in den Außengebieten meist so viel geringer ist, weil die Tragfähigkeit wegen ungünstiger naturgeographischer Bedingungen geringer ist. Auch wurden die finanziellen, technischen und psychologischen Schwierigkeiten eines umfangreichen Bevölkerungstransfers unterschätzt. Aktuelle Meldungen aus Indonesien beinhalten oft neue Konfrontationen Ortsansässiger auf den Außeninseln mit Einwanderern, wie z.B. auf Kalimantan, wo eine regelrechte Kopfjagd auf Einwanderer aus Madura stattfindet. Seit 1905 gab es eine staatlich geförderte Umsiedlung bäuerlicher Familien von Java nach den Außeninseln. 1932 bis 1941 wurden im ganzen 250 000 Personen umgesiedelt. Von der Regierung der Republik Indonesien wurde der "transmigrasi Bewegung" große Bedeutung beigemessen. So wurde, von größeren Plänen einmal abgesehen, im Fünfjahresplan 1956 bis 1961 eine Quote von 400 000 Personen jährlich vorgesehen. Tatsächlich sind von 1951 bis 1972 im ganzen mit 473 000 wenig mehr als diese Zahl umgesiedelt worden; von ihnen gingen 209 000 nach Lumpung und 130 000 in das übrige Südsumatra.
36,4 % der Bevölkerung leben in Städten. Erst seit den frühen 80er Jahren hat sich hier ein steigender Trend bemerkbar gemacht, dafür schritt die Verstädterung in den letzten 15 Jahren enorm voran.

3.1.1. Bevölkerungsentwicklung in Indonesien und Java


 

Indonesien
Java

 

Ew. in Mio.

Ew./km²

Ew. in Mio.

Ew./km²

1825

-

-

6,0

45

1875

-

-

18,0

136

1905

37,7

20

30,1

228

1930

60,6

32

41,7

316

1940

70,5

37

67,1

353

1961

96,4

51

63,1

477

1995

194,8

102

115,0

868

 

3.1.2. Bevölkerungspyramide


3.2.    Agrarstruktur
Kautschuk, Palmöl, Tee, Kaffee und Kakao sind die wichtigsten Agrarexportgüter. Gleichzeitig ist Indonesien der größte Holzexporteur. Die Wälder sind im Staatsbesitz, die Nutzungsrechte in privater Hand.
In den letzten Jahren scheint die steigende inländische Nachfrage einen zunehmenden Einfluß auf die wirtschaftliche Entwicklung zu nehmen, denn die Exporte der Sektoren Holzverarbeitung und Textil verringerten sich.
58% der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft tätig und erwirtschaften 22% des BIP.
Seit 1993 ist die Reisproduktion rückläufig. Durch den Verlust von Anbauflächen an Industrie -  und Tourismusprojekte sowie infolge Bevölkerungswachstum müssen Reis, Weizen, Sojabohnen, Mais, Mehl, Fleisch und Zucker importiert werden. Ebenfalls wurde unter der Regierung Suharto ein deutlicher Kurs zugunsten der sogenannten Cash - Crops eingeschlagen, wie z.B. Mais, Maniok, Süßkartoffeln, Sojabohnen, Erdnüssen, Gemüse oder Obst.
Jakarta empfindet als besonders mißlich, daß die 1984 erreichte Selbstversorgung beim Hauptnahrungsmittel Reis seit 1993 nicht mehr besteht. 1994 erreichte man mit 48,2 Millionen t das niedrigste Ergebnis seit 15 Jahren. So mußten 1995 1,8 Millionen t Reis importiert werden. Dies hat auch zu einer starken Abholzung der Regenwälder geführt.
Dafür hat Indonesien aber auch eine bedeutende Stellung auf dem Weltmarkt erlangt. So ist Indonesien der Welt zweitgrößter Kautschukexporteur und beim Kaffee liegt man auf Platz 4.
In keinem asiatischen Staat muß die Landwirtschaft mit so extremen Standortbedingungen ringen wie in Indonesien. So ist das Klima z.B. sehr feucht und heiß, die Karstböden auf Ost - Java z.B. sind im Gegensatz zu den Vulkanböden auf dem restlichen Java sehr unfruchtbar und die Inseln sind von sehr vielen hohen Gebirgen durchzogen.
Auch die wirtschaftlichen Standortfaktoren sind schwierig und durch das Land sehr unterschiedlich. Auf Java ist die Bodenverknappung infolge Übervölkerung so weit vorangeschritten, daß die mittlere Betriebsgröße unter 1 ha absank und man eigentlich von Nebenerwerbslandwirtschaft sprechen müßte. Da es aber keine Zuerwerbsmöglichkeiten gibt, besteht hier versteckte Arbeitslosigkeit in sehr großem Maße. Demgegenüber können auf Sumatra und Kalimantan sehr große Gebiete landwirtschaftlich nicht genutzt werden, da dort Arbeitsplätze fehlen. Auf Irian Jaya betreiben fast 1 Millionen Menschen landwirtschaftliche Produktion mit fast steinzeitlichen Methoden und Werkzeugen.
Die betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten der Bauern sind durchaus bemerkenswert und auf Java ist die Technik des Reisanbaus fast perfektioniert worden, so daß sehr hohe Erträge möglich sind. Heute ist der Naßreisfeldbau immer noch der wichtigste Teil der Landwirtschaft. Über 70 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind Naßreisfelder.
Das vornehmste Ziel der indonesischen Agrarpolitik ist die Ernährungssicherung der Bevölkerung. Dies soll durch die Steigerung der Flächenproduktivität, vor allem bei Reis, erreicht werden. Zu diesem Zweck setzt man verstärkt produktionssteigernde Mittel ein, vor allem Hochzucht - Saatgut, Mineraldünger und Schädlingsbekämpfungsmittel ein, wobei man, um diese Mittel auch kleineren Betreiben zugänglich zu machen, den Verkauf dieser Mittel an ein zinsverbilligtes Kreditsystem koppelt. Dieses System hat bereits großen Erfolg gezeigt.
Der Produktion der Cash - Crops wird hohe Bedeutung zugemessen, da sie nach Öl und Holz die größte Devisenquelle ist. Lange Zeit galten die Plantagen als die als wichtigste Produktionszentren dieser Produkte, aber in den letzten Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, daß bäuerliche Plantagen hier weitaus ertragsfähiger operieren können. Deshalb wurden solche bäuerlichen Plantagebetriebe vom Staat finanziell unterstützt.
Weiterhin sollen durch die Transmigrationsprojekte die großen ungenutzten Gebiete auf den Außeninseln für den Anbau von Welthandelspflanzen (Cash - Crops) nutzbar gemacht werden.


3.3.    Industriestruktur
Der industrielle Sektor Indonesiens hat sich erst seit 1970 rasch entwickelt. Damals schaffte die Regierung im Rahmen des ersten Fünfjahresplanes die gesetzlichen Grundlagen über den Einsatz in -  und ausländischen Kapitals. Zum ersten Mal wurde nun auch der private Sektor verstärkt gefördert, bisher lief fast die gesamte Wirtschaftspolitik auf die Unterstützung des staatlichen Sektors hinaus. Schon zu Beginn der neuen Industrialisierungspolitik zeigte sich, daß die meisten Investitionen – ganz gleich, ob mit in -  oder ausländischem Kapital - der sogenannten Substitutionsindustrie zuflossen, das sind Werke, die bisher importierte Güter herstellten, dadurch wollte man ein weitergehende Unabhängigkeit vom Weltmarkt erreichen. Dies hatte unter anderem auch den Einfluß, daß die Nachfrage nach Luxusgütern stimuliert wurde. Bis zu der schwerwiegenden Wirtschaftskrise in Asien erreichte die Entwicklungspolitik unter Suharto durchschnittliche jährliche Wirtschaftswachstumsraten von 6%. Unter Suharto war das gesamte wirtschaftliche Leben in Indonesien jedoch dadurch geprägt, daß alle bedeutenden Unternehmen sich in der Hand von Familienmitgliedern und Freunden des Regierungspräsidenten befanden. Von 1983 bis 1996 stieg der Beitrag der Industrie zum BIP von 13 % auf 40 %.
Seit Sommer 1997 befindet sich Indonesien in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Landeswährung Rupiah stürzte während der ersten Hälfte des letzten Jahres gegenüber dem US - Dollar auf ein Fünftel ihres früheren Wertes, die Inflationsrate betrug 1998 rund 77 Prozent, eine Vielzahl von Privatunternehmen sind Bankrott und mehr als 20 Millionen Menschen sind von Arbeitslosigkeit betroffen. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte 1998 gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent und wird auch in 1999 um ca. 3 Prozent sinken. Unter dem Druck der Krise mußte Suharto, der Indonesien 32 Jahre lang regierte, vom Präsidentenamt zurücktreten und die Amtsgeschäfte an seinen bisherigen Vize, Jusuf B. Habibie, übergeben. Unter Habibie, der früher Technologieminister war, soll wirtschaftspolitisch ein Weg der High-Tech Förderung eingeschlagen werden
Vor Einsetzen der Krise wies die Wirtschaft des Landes ein relativ hohes durchschnittliches Wachstum (7,5 % jährlich seit Mitte der 80er Jahre bzw. über 11 % jährlich im Verarbeitenden Gewerbe) auf und war durch große strukturelle Veränderungen gekennzeichnet. Die ehemals für Entwicklungsländer typische starke Abhängigkeit vom Export einheimischer Ressourcen (Erdöl und Erdgas, Holz, Kautschuk, Kaffee, Kakao, Zinn, Gewürze) konnte durch den konsequenten Ausbau einer breitgefächerten und exportorientierten Verarbeitungsindustrie im Rahmen einer umfassenden Liberalisierungs -  und Deregulierungspolitik erheblich verringert werden. Unterstützt wurde dieser Prozeß durch einen deutlichen Anstieg privater Investitionen, vor allem aus dem Ausland.
Zu den wichtigsten Industriezweigen gehören die Textil -  und Bekleidungsindustrie, die Schuhherstellung, die Holzverarbeitung, die petrochemische Industrie, der Fahrzeugbau und die Nahrungsmittelverarbeitung. Mit einem Anteil von 25,6 % am Bruttoinlandsprodukt (1997) hat das aufstrebende Verarbeitende Gewerbe in seiner Bedeutung mittlerweile den Agrarsektor (16,1 % des BIP) weit hinter sich gelassen. Industriell gefertigte Produkte stellen darüber hinaus inzwischen mehr als die Hälfte der Gesamtexporte.
Mehr als 85% der Importe bestehen aus Kapitalgütern, Rohmaterial und Zwischenprodukten. Die exportorientierte Industrie ist sehr stark importabhängig. In den letzten Jahren übertrafen die Zuwachsraten des Imports die des Exports. Dauerhafte Konsumgüter, aufbereitete Nahrungsmittel und Getränke, sowie nicht aufbereitete Lebensmittel werden überwiegend nachgefragt. Handel und Tourismus entwickeln sich positiv. Insgesamt muß man Indonesiens Dienstleistungsbereich jedoch weiterhin als schwach bezeichnen.
Größere Hemmnisse für die weitere Entwicklung sind neben dem zusammengebrochenen Finanzsektor die hohen Auslandschulden der Privatwirtschaft, das mangelhafte Rechtssystem und die alle Maße sprengende Korruption. Besondere Schwierigkeiten ergeben sich aber auch aus dem Übergang von einem autoritären in ein demokratisches System. Die Auslandsverschuldung beträgt ca. 110 Mrd. US$.. Zwei Drittel der Verschuldung entstammen dem öffentlichen, ein Drittel dem privaten Bereich. Für den Schuldendienst werden ca. 30% der Exporterlöse aufgebraucht.
Das Pro - Kopf - Einkommen betrug 1995 ca. 920 US - $ und soll 1997 die 1000 - US$ - Grenze durchstoßen haben. Aufgrund der extremen Abwertung der Landeswährung Rupiah gegenüber dem US - Dollar um mehr als 80 % dürfte das Pro - Kopf - Einkommen nunmehr auf unter 200 US$ gefallen sein.
In der Industrie erwirtschaften 15 % der Erwerbstätigen 40 % des BIP.
Indonesien ist absolutes Niedriglohnland. Das Industrielles Lohnniveau beläuft sich für gering qualifizierte Angestellte auf 300 - 500 DM und 1250 - 3000 DM/Monat für Angestellte mit Universitätsabschluß. Die Lohnnebenkosten machen etwa 30 - 40% der Lohnkosten aus.
Indonesien ist jedoch auf dem besten Wege, sich nicht nur in den oberen und mittleren, sondern auch in den unteren Lohngruppen langsam vom Niedriglohnland weg zu entwickeln.

Arbeitgeber haben folgende Lohnnebenleistungen zu erbringen:

·         Arbeitskleidung

·         Fahrtkosten, Essengeld

·         13.Monatsgehalt vor Schulbeginn oder anläßlich des moslemischen Lebaran - Festes

·         Übernahme von Arzt - /Krankenhauskosten bis zu einer bestimmten Höhe

·         Persönliche Darlehen

Weiterhin sind folgende Abwesenheitszeiten vom Arbeitgeber zu zahlen:

·         Krankheit bis zu 12 Monaten

·         mindestens 12 Arbeitstage Urlaub p.A.

·         drei Monate Mutterschaftsurlaub

Die Wochenarbeitszeit bei 5 oder 5 ½ Arbeitstagen beträgt 40 Stunden. Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist der Arbeitgeber normalerweise zu einer Zahlung von 1 -  2 Monatsgehälter pro Jahr der Betriebszugehörigkeit verpflichtet. Die Probezeit beträgt in der Regel 3 Monate. Eine Beendigung des Arbeitsverhältnisse nach dieser Zeit kann eventuell eine Genehmigung des Arbeitsministeriums erfordern.
Je nach Branche und Standort weist die Lohn -  und Gehaltsstruktur große Unterschiede auf. Noch vor kurzem zahlte Indonesien die niedrigsten Löhne in der verarbeitenden Industrie der ASEAN Länder.
Frauen erhalten 15 - 20% weniger Lohn bei gleicher Tätigkeit. Die Erwerbstätigkeit liegt bei 40%.
Das Straßennetz ist auf Java und Bali relativ gut ausgebaut, ansonsten ist die Situation auf den anderen Inseln äußerst mangelhaft. Auf Java existiert ein dichtes und gutausgebautes Eisenbahnnetz.
Zwischen der Hauptstadt Jakarta und dem Industriezentrum Bandung verkehrt ein Schnellug. Auf der Hannover Messe (´95) hat Suharto starkes Interesse am Transrapid für Java geäußert. Häufigstes Verkehrsmittel auf den anderen Inseln stellen Überlandbusse dar.
Zwischen den Inseln verkehren zahllose Passagierschiffe und Fähren. Die staatliche Schiffahrtsgesellschaft PELNI setzt nur Schiffe aus Deutschland ein.
Im innerstädtischen Verkehr existieren trotz mehrerer Millionenstädte (ca. 6) noch keine Nahverkehrssysteme. Allerdings ist eine Metro für Jakarta bereits im Planungsstadium (dt. Konsortialführer ist Ferrostaal/Essen). Ansonsten regiert in den Städten das Chaos: Transportalternativen sind neben Taxis, Bemos auch Mopeds, Rikschas und Pferdekutschen. Für lange Distanzen in Indonesien bietet sich an, eine der sechs indonesischen Airlines zu nutzen. Alle größeren Städte sind hiermit schnell zu erreichen. Dies ist um so wichtiger wenn man bedenkt, daß sich Indonesien über ca. 5000 km erstreckt. Abgelegene Gebiete werden in der Regel von kleinen Missionars - Airlines angeflogen.

 


 

3.3.1. Außenhandel nach Waren


Export in Millionen US-$

Import in Millionen US-$

 

1995

1996

 

1995

1996

Öl und Gas

10 464

11 722

Stahlerzeugnisse

16 958

17 635

Holz

4 990

5 131

Chemikalien

4 975

4 498

Gummi

2 220

2 226

Elektronik

1 985

2 550

Kaffee

596

589

Nahrungsmittel und Getränke


1 363


1 729

Möbel

858

946

Shrimps

1 032

1 016

Textilien

1 656

1 577

Bekleidung

6 204

6 552

Elektrowaren

1 103

1 097

Tee

85

109

Papier

1 274

1 068

Schuhe

2 053

2 195

Chemische Produkte

897

1 025

Tabak

49

75

Kupfer und Zink

662

660

Gewürze

213

158

Futtermittel

461

604

Fisch

426

430

Pharmazeutika

334

353

Kupfer

1 538

1 748

Plastikprodukte

267

274

Kohle

1 033

1 121

Düngemittel

169

267

Kakaobohnen

224

263

Gummiwaren

165

203

Gesamt

34 954

38 093

Gesamt

37 718

39 333

 


3.4.    Verstädterung
Trotz der Tatsache, daß die städtische Lebensform in Indonesien nicht zu Hause ist, weisen die meisten großen Städte Indonesiens ein rapides Wachstum auf. Mit dieser Urbanisierung ist jedoch für die städtische Bevölkerung, insbesondere für die Zuwanderer keine unmittelbare Verbesserung des Wohlstandes zu verzeichnen. Vielmehr ist es oft so, daß gerade in den Städten soziale Ungleichheiten viel häufiger Vorkommen als auf dem Lande.
Die starke Zuwanderung der indonesischen Städte zeigt sich auch besonders in der Slumbildung, die inzwischen ein beträchtliches Ausmaß angenommen hat. Diese Slums bilden sich auch häufig in der Form sogenannter Kampongs, diese sind kleine dorfähnliche Siedlungen innerhalb der Stadtgebiete, die sich optisch auch besonders durch die vielen Bananenstauden, Bambushecken und Fruchtbäumen hervorheben. Dadurch wird auch nochmals deutlich gezeigt, daß die Tendenz zur Bildung urbaner Ballungszentren erst von Europa in das Land geführt wurde.
Die Zuwanderung vom Land in die Städte hat meist die Gründe, daß die Absatzmärkte für Agrarprodukte dort besser erreichbar sind und daß es dort auch höherwertige Arbeitsplätze außerhalb des Agrarsektors gibt. Weiterhin kommt auf Java die spezielle Entwicklung hinzu, daß das nutzbare Ackerland inzwischen zu kleinflächig für die rapide wachsende Bevölkerung geworden ist, weshalb auf Java auch die höchste Zuwanderungsrate zu verzeichnen ist. Ebenfalls, auch gerade in jüngster Zeit, hat sich auf den Außeninseln infolge des "Transmigrasi" – Projektes der Trend bemerkbar gemacht, daß viele Umsiedler in die nächstgelegenen größeren Städte flüchten, um den teilweise feindseligen Übergriffen der Ortsansässigen zu entgehen.
Jakarta ist mit über 15 Millionen Einwohnern die bei weitem größte Stadt des Archipels. Die Bestrebungen Suhartos, Jakarta zu einer prestigeträchtigen und internationalen Stadt zu machen, führten dazu, daß über die Hälfte aller ausländischen Investitionen inzwischen in die Region Jakarta fließen.
Probleme der Urbanisierung finden sich besonders in den Slums oder Kampongs. Zum Beispiel wurde ein Großteil dieser Kampongs illegal auf fremden Grund errichtet, außerdem fehlen hier meist wichtige sanitäre Anlagen, Wasser oder Stromleitungen. Über die Hälfte aller Bauten in Jakarta sind keine dauerhaften Gebäude, der Wohnungsbau kommt dem großem Bevölkerungszuwachs nicht nach. Oft trifft man nur auf behelfsmäßige Holz- oder Bambushütten mitten innerhalb der Großstädte. Viele Gebäude sind außerdem nicht mit dem Auto zu erreichen, der Verkehr in den Städten stellt die Infrastruktur inzwischen vor unlösbare Probleme und die Folgen für die Umwelt, die sich aus dieser Übersiedlung ergeben, sind kaum abzusehen. Die Arbeitsmarktsituationen in Jakarta  ist inzwischen sehr schlecht, die Arbeitslosenquote liegt hier in astronomischen Höhen, wobei innerhalb der Städte natürlich eine deutliche Verschiebung des Arbeitsmarktes zum tertiären Sektor hin verzeichnet werden kann.
Eine weitere Form der Urbanisierung ist erst noch etwas später ins Rollen gekommen, es haben sich nämlich künstlich angelegte Industriestädte an rohstofftechnisch günstigen Orten gebildet, die enorme Zuwachsraten, besonders aufgrund des Arbeitsplatzangebotes, verzeichnen können. Solche Siedlungen finden sich besonders auf Java und Sumatra bei Stahlwerken, Bergbaubetrieben oder Erdölförderanlagen.


3.5.    Wirtschaftliche Besonderheiten
Wie schon im Unterpunkt Agrarwirtschaft betont, zeichnet sich der Naturraum Indonesiens durch eine einzigartige Vielfalt aus und läßt immer wieder extreme Bedingungen aufeinandertreffen. So ist es auch bei den verschiedenen Formen der Landwirtschaft. Die nährstoffreichen Vulkanböden auf Java eignen sich hervorragend für den dort vorrangigen Naßreisfeldbau, auf den Innenländereien von Neuguinea oder Kalimantan findet man aber immer noch sogenannten Wanderfeldbau, der daraus besteht, daß einzelne Stämme mit fast steinzeitlichen Werkzeugen brandrodend durch den Urwald ziehen und ihre Felder ständig dorthin verlagern, wo sie gerade gerodet haben bis der Boden dort ausgelaugt ist. Rohstoffe sind reich vorhanden und haben natürlich besonders im Bereich Bergbau einen entscheidenden Einfluß auf die Wirtschaftsstandorte. Ebenfalls hat jedoch diese Verteilung der Rohstoffe auch einen entscheidenden Einfluß auf die Verteilung der rohstoffverarbeitenden Industrie, da man versucht eine gewisse Unabhängigkeit von den Weltmärkten und größere Devisengewinne herauszuschlagen, indem man die rohstoffverarbeitende Industrie gleich im Land selbst ansiedelt.
Von deutscher Seite her spielt Indonesien auch als Handelspartner eine entscheidende Rolle. Wichtigster Handelspartner Indonesiens ist Japan gefolgt von den USA. Die Bundesrepublik Deutschland ist der drittwichtigste Handelspartner. Die Bundesrepublik bezog 1997 aus Indonesien vor allem Bekleidung (21,0% der Importe), Nahrungs- u. Genußmittel (18,8%), Holzwaren (8,2%) sowie elektrotechnische Erzeugnisse (7,4%). Indonesien kaufte in Deutschland Maschinen (36,3% der Exporte), Elektrotechnik (21,9%) und chemische Erzeugnisse (8,2%). Es gibt sowohl von deutscher wie auch von indonesischer Seite her große Bestrebungen, diese Handelsbeziehungen auch weiterhin aufleben und sich weiter verdichten zu lassen.
Auch der Tourismus hat in Indonesien inzwischen eine entscheidende Bedeutung gewonnen. Die 3 Millionen Einwohner von Bali werden beispielsweise jedes Jahr von 4 Millionen Touristen besucht, die kleine hinduistische Insel stellt sowohl kulturell als auch landschaftlich ein touristisches Traumziel dar. Kulturelle Zusammenstöße sind damit unausweichlich verbunden. Die Hauptziele der Touristen sind auch gerade die Inseln Java, Bali oder Lombok, also sehr stark bevölkerte Inseln. Im Falle von Lombok hat jedoch auch dieses starke Tourismusaufkommen erst für eine sprunghafte Bevölkerungsentwicklung gesorgt. Kulturell besonders faszinierend ist die hinduistische Religion auf Bali, da sich der Hinduismus dort in Verbindung mit Naturreligionen zu einer Religion entwickelt hat, die auch heute noch das Leben vieler Einheimischer prägt. Die Touristen wohnen manchmal den sehr exotischen religiösen Zeremonien bei, was von den Einheimischen ungern gesehen wird. Die Politik, die in Indonesien zugunsten des Tourismus betrieben wird, läuft oftmals darauf hinaus, daß die Landschaft und die Kultur der Menschen oftmals rücksichtslos vermarktet wird.
Problematisch ist jedoch auch die Art und Weise durch die Indonesien zu seinem enormen Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren gekommen ist. Westliche Berater haben der Regierung Suhartos immer wieder zu einer raschen Industrialisierung geraten, was zur Folge hatte, daß sich die Wirtschaftspolitik unter anderem stark darauf konzentriert hat, die reichhaltigen naturgegebenen Rohstoffe abzubauen und zu verarbeiten. Die "New Krakatau Steel Works", das erste Stahlwerk Indonesiens sind ein Zeugnis dieser Wirtschaftspolitik. Trotz allem wirtschaftlichen Aufschwung und einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage selbst für die ärmsten Schichten (der Prozentsatz der unter der Armutsgrenze lebenden Menschen konnte von 1969 bis 1994 von 60 % auf 13,7 % gesenkt werden) sind die Folgen für die Umwelt noch nicht abzusehen. Die verheerenden Waldbrände des Jahres 1997 zeugten davon, wie bedenkenlos die Holz- und Plantagekonzessionäre vorgehen. Zählt man die Fläche, die vom intensiven Reisanbau, den von der Regierung vergebenen Holzkonzessionen und Erdöl- und Erdgasexplorationen im Verhältnis zur Fläche des Regenwaldes beansprucht wird, so kommt man auf eine Veränderung in der Größenordnung von 50 %. Das bedeutet, daß etwa die Hälfte des tropischen Regenwaldes in Indonesien bald zerstört, oder zumindest stark beeinträchtigt sein wird.
Auch bedenklich sind die in der Agrarwirtschaft stark eingesetzten Pflanzenschutz- und Düngemittel, die an zahlreichen Stellen das Grundwasser belasten. Ein sehr geringer Teil der Bevölkerung ist darüber hinaus mit einer Kläranlage verbunden, was die zunehmende Sorge um das Trinkwasser rechtfertigt. Unter 30 % der Bevölkerung können eine sichere Trinkwasserversorgung genießen, der restliche Teil ist auf sauberes Grund-, Regen- oder Flußwasser angewiesen.

3.5.1. Umstrukturierung der Arbeitskräfte



3.5.2. Wichtige Handelspartner

 

3.5.3. Monatliche Inflationsraten

 


3.5.4. Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes

 

3.5.5. Wechselkurs des Rupiah

 


3.6.    Auslandsstatistiken des Statistischen Bundesamtes


Fläche, Bevölkerungsstand und Dichte

Fläche in km²

1 904 569

Bevölkerung 1998

206 522 000

Einwohner je km² 1998

108

Städtische Bevölkerung 1996

36,4 %

Natürliche Bevölkerungsbewegung

Lebendgeborene je 1000 Einwohner

23,1

Gestorbene insgesamt je 1000 Einwohner

7,6

Gestorbene im 1.Lebensjahr je 1000 Lebendgeborene

102

Natürliches Bevölkerungswachstum

2,2 %

Wichtige demographische Kennziffern

Durchschnittliche Kinderzahl je Frau

2,70

Lebenserwartung bei Geburt insgesamt

65,1 Jahre

Lebenserwartung bei Geburt Männer

63,3 Jahre

Lebenserwartung bei Geburt Frauen

67,0 Jahre

Erwerbstätigkeit und Arbeitsmarkt

 

Erwerbstätige insgesamt 1996

85 702 000

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 1996

44,0 %

Erwerbsquote der Gesamtbevölkerung 1996

45,8 %

Arbeitslosenquote 1996

4,0 %

Außenhandel

Import

41 693 Milliarden US-$

Export

53 444 Milliarden US-$

Saldo

11 750 Milliarden US-$

Export in % der Einfuhr

128,2


4.       Schlußanalyse
Indonesien ist nicht nur ein sehr großes und bevölkerungsreiches Land, sondern es wird sich auch immer mehr zu einem bedeutungsvollem Land entwickeln. Indonesien ist auch ein raumanalytisch hoch interessantes Land. Der Naturraum zeichnet sich durch eine einzigartige Vielfalt aus, die Geschichte des Landes unterstreicht und erklärt die kulturellen und religiösen Konflikte die sich in diesem Land mit dem Staatsmotto "Einheit in der Vielfalt" ergeben und gerade in jüngster Zeit wieder in den Nachrichten auftauchen, sowie die Einflüsse, die eine Kolonialmacht auf die Entwicklung eines Staates haben kann. So ist ja der Bestand des Staates Indonesien hauptsächlich durch die niederländische Kolonialherrschaft zu begründen, sowohl ethnisch als auch geographisch paßt der Staat ansonsten kaum zusammen. Erst durch Gründungspräsident Sukarno wurde das Bewußtsein für Indonesien als einen Staat geprägt und Sukarno tat viel für den inneren Zusammenhalt des Staates, wie z.B. die Einführung der indonesischen Amtssprache Bahasa Indonesia.
Letztlich verdeutlicht der Wirtschaftsraum Indonesien die Chancen und Risiken einer raschen Industrialisierung und die Auswirkungen auf eine traditionell beeinflußte und von den europäischen Konzepten dahingehend stark abweichende Bevölkerung.
Lange zeigte sich dieser Aspekt deutlich in den Statistiken über Urbanisierung und wirtschaftliche Entwicklung. 1971 etwa wohnten nur etwa 17 % der indonesischen Bürger in Städten, was auch deutlich hinter Werten aus anderen Entwicklungsländern lag. Später jedoch zeigte Indonesien die Dynamik und Aufschwungskraft vieler südostasiatischer Staaten, wie z.B. Malaysia oder Singapur. Die asiatische Wirtschaftskrise 1997 setzte dieser Tendenz allerdings ein jähes Ende. Ein großer Teil des entstandenen Reichtums ging so wieder verloren und werfen ihre Schatten auf die weitere Entwicklung. Größere Hemmnisse für die weitere Entwicklung sind neben dem zusammengebrochenen Finanzsektor die hohen Auslandschulden der Privatwirtschaft, das mangelhafte Rechtssystem und die alle Maße sprengende Korruption. Besondere Schwierigkeiten ergeben sich aber auch aus dem Übergang von einem autoritären in ein demokratisches System.
Im Moment besteht die Frage ob die wirtschaftliche Talfahrt Indonesiens inzwischen ihren tiefsten Punkt überschritten hat. Mit einer wirtschaftlichen Erholung ist weder in diesem noch in dem nächsten Jahr zu rechnen, da schwerwiegende Hiobsbotschaften die wirtschaftliche Erholung belasten. Die Änderungen am Konkursrecht und die Privatisierung der Staatsbetriebe haben sich bisher als Flop herausgestellt. Ebenso sanken die Weltmarktpreise für Rohöl und Primärgüter in den letzten Monaten. Zwar konnte die rapide Inflation seit der Wirtschaftskrise inzwischen unter Kontrolle gebracht werden, doch Aktien- und Währungskurse bröckeln langsam wieder ab.
Bisher hatten sich in Zeiten wirtschaftlicher Krisen, wie zu Beginn der "Neuen Ordnung" Suhartos oder nach dem Ende des Ölbooms Mitte der 80er Jahre, die liberalen Wirtschaftspolitiker (sog. Technokraten) stark gemacht und erreichten bisher erfolgreich erstaunliche Wachstumsraten für Indonesien. Ohne Rückhalt in der Bevölkerung waren sie auf einen starken Präsidenten angewiesen, der ihre Rezepte der Marktöffnung und Deregulierung durchsetzte.
Doch jetzt nach Suharto sind mit Präsident Habibie und Wirtschaftsminister Ginandjar zwei führende sog. Technologen an der Macht. Sie sprechen von Begriffen wie "Volkswirtschaft" oder "demokratischer Wirtschaft". Eine befriedigende Definition dieser Begriffe gibt es bisher nicht, aber die Ziele sind in etwa darin festzumachen, daß besonders kleine Betriebe gefördert werden sollen, der wirtschaftliche Einfluß der chinesischen Minderheit eingedämmt werden soll und mehr Unabhängigkeit vom Weltmarkt erreicht werden sollte. Eine liberale Marktwirtschaft westlichen Zuschnitts steht in der indonesischen Wirtschaftspolitik jedoch nicht auf dem Programm.
Meine persönliche Meinung diesbezüglich ist, daß man auch hier nach wirtschaftlichen Erfahrungswerten handeln sollte und die Wirtschaftspolitik weiterhin so autoritär durchsetzen sollte und auf Verbindung zum Weltmarkt (Globalisierung) und Deregulierung setzen sollte. Man sollte sich von der Illusion lösen, daß eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik am Willen der Wirtschaft vorbei betrieben werden könnte. Eine nachhaltige Verbesserung der Lage auch für die ärmeren Bevölkerungsschichten läßt sich dann beispielsweise durch Bildungsinitiativen und die von Habibie angestrebte High-Tech Freundlichkeit erreichen. Zwar ist eine wirtschaftliche Stärke von Indonesien bisher der Fakt, daß es ein extremes Niedriglohnland ist, doch die Löhne lassen sich meiner Meinung nach nur durch eine Kopplung an den Weltmarkt steigern, da gerade diese Stärke, daß Indonesien ein Niedriglohnland ist, auf dem Weltmarkt entscheidend ist, d.h. daß die Löhne erst gesteigert werden können sobald die Unternehmen auf dem Weltmarkt erfolgreich sind. Ebenfalls steigende Löhne würden sich durch den Aufbau von bildungsintensiven High-Tech Arbeitsplätzen erreichen lassen, dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

5.       Quellenangaben


[1]

Indonesien
Erdmann Verlag
ISBN 3-7711-0321-5

[2]

Auslandsstatistiken des Statistischen Bundesamtes
http://194.95.119.6/basis/d/ausl/

[3]

Indonesien – Raumanalytische Skizzen
Gerd R. Zimmermann

[4]

Ressourcennutzung und Hightech-Entwicklung
Winfried Kunz

[5]

Beten und Baden auf Bali
Hans-Henje Hild

[6]

Raduga Indonesien Report
http://raduga.com/ir.htm

[7]

Allgemeine Wirtschaftsinformationen Indonesien
http://www.construction.de/info/asiainfo/business/indones.htm